Der Blutweiderich – Lythrum salicaria
Aktuell fällt bei uns im Norden entlang der Sielgräben eine Pflanze auf, die viele kennen, ohne zu wissen um welche Pflanze es sich handelt. Es ist der Blutweiderich, eine Pflanze, die gerne in Feuchtgebieten wächst und da sind unsere Sielgräben natürlich ideal. Neben dem Nutzen für die Insekten, hat diese wunderschön pinkfarben blühende Pflanze aber auch für uns Menschen etwas zu bieten! Was das diese vergessene Heilpflanze kann, erfahrt Ihr im folgenden Artikel.
Die Geschichte des Blutweiderich
Schon im Altertum wurde der Blutweiderich als Heilpflanze angewandt, so empfahl Plinius ihn gegen Ekzeme und Dioskurides nutze ihn bei „Blutspeien“ und gegen die Ruhr. Auf Grund seines hohen Gerbstoffanteiles vor allem in der Wurzel, war er in der Volksmedizin häufig bei Durchfällen, sogenanntem „Blutfluss“ und gegen die Ruhr im Einsatz. Auch während der Choleraepidemie im 19. Jahrhundert war er ein bewährtes Heilmittel.
Ob sein Name durch seine blutstillenden Eigenschaften oder die Farbe seiner Blüten, die früher auch zum Einfärben von Zucker verwendet wurden, herrührt ist umstritten.
Zum Gerben von Leder wurde vor allem die Wurzel des Blutweiderich eingesetzt. Als Medizin wurde eher das blühende Kraut frisch oder getrocknet als Tee angewendet.
Der Phytotherapeutische Einsatz von Blutweiderich
Wie oben erwähnt ist sein Haupteinsatzgebiet der Durchfall und leicht blutende Wunden bzw. Blutungen der Schleimhaut. Bei unspezifischem Durchfall oder einer leichten Gastritis, kann man den Blutweiderich als Tee gut einsetzen. Eine begleitende Behandlung zum Beispiel bei entzündlichen Darmerkrankungen ist immer ein Versuch wert. Wobei man wissen muss, dass die Gerbstoffe des Blutweiderich vor allem die Ellagitannine, bei jedem Menschen anders wirken, da sie unterschiedlich von unserem Darmmikrobiom umgebaut werden. Es entstehen dadurch Stoffwechselprodukte wie Ellagsäure und Urolithine, in welcher Menge und Zusammensetzung hängt wiederum vom jeweiligen Darmmikrobiom ab. Bis zu drei Tassen Tee über den Tag verteilt mit je einem Teelöffel getrocknetem Kraut auf 250 ml Wasser, werden hierfür getrunken. Aber bitte nur nach Absprache mit mir.
Auch bei Hämorrhoiden oder Analfissuren können Sitzbäder mit Blutweiderich Erleichterung bringen. Eine allgemein entzündungshemmende Wirkung in Zusammenhang mit den Gerbstoffen ist hier für die Linderung verantwortlich. Das gleiche gilt für leichtes Zahnfleischbluten oder Schleimhautläsionen im Mundbereich. Für die Sitzbäder wird ein stärkerer Infus (Tee) zubereitet, der in ein entsprechendes Gefäß zu angenehm temperierten Wasser hinzugefügt wird. Das Sitzbad sollte 10 – 15 Minuten dauern. Für den Mundbereich wird das blühende Kraut als Tee zubereitet und nur gespült, nicht geschluckt.
Bei Ekzemen, kleinen oberflächlichen Hautreizungen und Verletzungen kann ein Tee zubereitet und eine darin getränkte Kompresse aufgelegt werden.
Neuere Forschungen zeigen zudem eine positive Wirkung auf den Blutzuckerspiegel, was an einen Einsatz bei Diabetes mellitus Typ II denken lässt. Allerdings sind diese Forschungen aktuell nur auf Laborebene fortgeschritten, so dass die Anwendung höchstens in der Vorbeugung und nicht als Therapie eingesetzt werden sollte.


Der Blutweiderich gilt heute als leider oft vergessene alte Heilpflanze und wenn man ihn so zwischen Mädesüss und Wasserdost an unseren Sielgräben sieht, wo er sehr vielen Insekten als Nahrung dient, fragt man sich warum das so ist. Vielleicht kann dieser Artikel dieser wunderbaren Heilpflanze wieder zu etwas mehr Ansehen verhelfen. Denkt aber immer daran, auch Heilpflanzen haben ihre Grenzen, daher niemals länger als 6 Wochen anwenden. Wendet Euch immer gerne an mich, wenn Ihr weitere Fragen oder Probleme habt.
Eure Charlotte
