Der Enzian-Heilpflanze im September

Der Enzian – Gentiana lutea

Nachdem mein „alter“ Kollege und Freund Andreas mir von seiner letzten Reise in die Alpen so wunderschöne Fotos vom blauen Enzian (Gentiana acaulis) zur Verfügung gestellt hat, ist die Heilpflanze in diesem Monat einmal nicht aus unserer Region. Aber dennoch kennt sie jeder, wenn wohl auch vor allem als Aperitif zur Verdauung. Wie diese Pflanze wirkt und welche pflanzlichen Teile dazu verwendet werden lest Ihr im folgenden Artikel.

Die Geschichte des Enzian

Seinen botanischen Namen verdankt der Enzian wohl Gentius, einem antiken König von Illyrien (180 – 168 v. Chr.), ihm wird nachgesagt, dass er die Heilwirkung der Enziane entdeckt haben soll. Vor allem in der Bergregion der Alpen gilt der Enzian schon seit dem Mittelalter als eine die Verdauung fördernde Pflanze. Aus der Volksheilkunde ist er hier nicht mehr wegzudenken. Schon früh hat man die Bitterstoffe, die seine Wirkung ausmachen als Heilmittel genutzt, wohl noch ohne die genaue Wirkung zu kennen. Mit der Zeit hat sich dann herausgestellt, dass von den über 400 verschiedenen Arten die Wirkung, sprich die Konzentration der Bitterstoffe in der Wurzel des gelben Enzians (Gentiana lutea) am höchsten ist und so werden hierfür bis heute ausschließlich diese Wurzeln verarbeitet.

Der Phytotherapeutische Einsatz des Enzian

Der Enzian gehört zu den sogenannten „Amara-Aromatica Pflanzen“ wie auch der Löwenzahn, der Hopfen oder die Engelwurz. So ist die Wirkung des Enzian vor allem seinen Bitterstoffen zuzuschreiben, hier in erster Linie dem Gentiopikrosid und dem Amarogentin.  Der Enzian ist die Pflanzen mit dem höchsten Bitterwert von 1:58.000.000,  das heißt, 1g verdünnt mit 58 Millionen Liter Wasser schmeckt noch bitter. Eine ähnlich bittere Pflanze ist der Wermut (Artemisa absinthium) sein Bitterwert beträgt „nur“ 1:20.000. Auch der bei uns heimische Beifuss (Artemisia vulgaris) gehört zu den Wermut Pflanzen, hat aber nicht annähernd einen so hohen Bitterwert und ist daher milder in Geschmack und Wirkung.

Zur Anwendung kommt beim gelben Enzian wie oben erwähnt die getrocknete Wurzel, sie wird im Herbst oder Frühling ausgegraben, gereinigt und weiter verarbeitet. Da der Enzian unter strengem Naturschutz steht, ist eine spezielle Genehmigung für die Ernte erforderlich. Die Wurzeln werden dann zu Tee, Tinkturen oder zu Pulver, um ihn in Kapseln oder Tabletten Form zu bringen, verarbeitet. Die wohl bekannteste Form ist der Enzianschnaps oder auch Magenbitter. Für diesen werden häufig verschiedene Pflanzen mit hohem Bitterstoffgehalt gemischt. Die Wirkung ist aber nicht die gleiche, da die Bitterstoffe nicht in das Destillat übergehen, lediglich der bittere Geschmack bleibt erhalten.

Die Bitterstoffe dienen in erster Linie der Anregung der Verdauung und des Gallenfusses. Weswegen er als Aperitif vor fetten Mahlzeiten verwendet wird. Er fördert aber auch den Appetit und kann so gegen Mangelernährung helfen.
So sind zusammenfassend die Einsatzgebiete des Enzian also: Appetitanregend, Verdauungsfördernd, gegen Übelkeit und Blähungen, aber auch Leberstärkend wie zum Beispiel die Mariendistel.

Eine weitere Wirkung des Enzian ist durch die enthaltenen Antioxidantien, eine Stärkung des Immunsystems. Ihr seht, der Enzian kann sich nicht nur für den Magen-Darm Trakt als nützlich erweisen. Wenn Euch also das schwere Essen im Magen liegt, versucht es einmal mit einem Tee und wem der Enzian zu bitter ist, der kann ja auf den nicht so bitteren Beifuss ausweichen. Den findet man auch hier in unseren Breiten.

Vorsicht geboten ist bei entzündlichen Magen- und Darmerkrankungen, da diese durch die Anregung der Verdauungsenzyme verstärkt werden können. In der Schwangerschaft, der Stillzeit (und natürlich bei Kindern) ist von einem Gebrauch grundsätzlich abzuraten, da die Bitterstoffe auch auf die Muttermilch übergehen können und sie die Wehentätigkeit anregen.

 

Der unten abgebildete blaue Enzian (Gentiana acaulis) wird in der Kosmetikindustrie verwendet, da er wie seine Farbe schon vermuten lässt viele Anthocyane enthält. Diese Stoffe schützen den Enzian in den hohen Bergregionen vor der Sonne. Hierfür werden allerdings die oberirdischen Pflanzenteile genutzt, sie regen den Stoffwechsel der Haut an und wirken so anregend und vitalisierend. Aber auch hier gilt wie immer in der Pflanzenheilkunde, die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist! Also bitte nicht selbst herstellen, sondern Fertigprodukte kaufen.

 

Eure Charlotte

 

Der Enzian-Heilpflanze im September
Vielen Dank an Andreas Mrowiec für die tollen Fotos

 

Der Enzian-Heilpflanze im September
Blau blühender Enzian, wie man ihn kennt