Der Liebstöckel – Levisticum officinale
Nachdem meine Kräuterspirale so langsam Form angenommen hat, bekam ich von meinem lieben Nachbarn als erste Pflanze einen Liebstöckel geschenkt. Das hat mich in diesem Monat zur Heilpflanze des Monats inspiriert.
Der Liebstöckel dessen sehr typischer Geruch uns immer wieder an eine bekannte Würzmischung erinnert, die wohl fast jeder im Küchenschrank hat, kennen viele „nur“ als Gewürz- und Küchenpflanze. Aber wie schon Hypokrates sagte: „Eure Nahrung soll Euer Heilmittel und Euer Heilmittel soll Eure Nahrung sein!“ Nach diesem Grundsatz möchte ich mich diesen Monat dem Liebstöckel widmen.
Die Geschichte des Liebstöckel
Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem Nahen und Mittleren Osten, von wo aus sie als Würz- und Heilpflanze nach Europa kam. Sie gehörte wie viele anderen Pflanzen auch, zu den nach der sogenannten „Kapitulare de Villis“ von Karl dem Großen (747 – 814) angepflanzten „Kaiserlichen Gärten“. Diese dienten der Gesunderhaltung der Bevölkerung und sind bis heute in Teilen erhalten. Als Vorbild dienten ihm hierbei die Gärten der verschiedensten Klöster in seinem Reich.
Schon damals wurde der Liebstöckel zur Verdauungsförderung, Linderung von Blähungen und der verbesserten Harnausscheidung eingesetzt. In der früheren Zeit war der Liebstöckel aber auch, wie der Name ja schon vermuten lässt, als Kraut für den „Liebeszauber“ in Verwendung. Ihm wurde eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt, so wurde ein Stück der Wurzel mitgeführt um „seiner Liebe“ zu begegnen. Gleichzeitig wurden durch seinen starken Geruch böse Geister vertrieben, die den Tieren im Stall schaden würden.
Auch die Gelehrten des Römischen Reiches wie Plinius und Dioskurides (beide 1. Jh.n. Chr.) beschreiben den Liebstöckel als wärmendes Kraut welches gegen Magen- und Darmbeschwerden helfe.
Hildegard von Bingen und viele weitere Heiler der früheren Zeit nutzten den Liebstöckel für die verschiedensten Erkrankungen, von Halsschmerzen über Magen-Darmbeschwerden zur Durchspülungstherapie, aber auch Bäder und Wundauflagen wurden aus der Pflanze hergestellt. Zur Anwendung kamen auch damals schon alle Teile der Pflanze, das hat sich bis heute nicht geändert, wenn auch die meisten von Euch sie nur in der Zubereitung der Küche kennen.
Phytotherapeutischer Einsatz des Liebstöckels
Wie schon oben erwähnt ist der Liebstöckel eine Heilpflanze die vor allem auf den Magen- Darmtrakt und die Nieren wirkt. In der Küche kommen hauptsächlich die Blätter zum Einsatz, sie können durch ihre Würzkraft das Salz in der Suppe sparen lassen und so den Salzkonsum etwas einschränken. In der Phytotherapie sind es vor allem die getrockneten Wurzeln und die Samen des Liebstöckels die zum Einsatz kommen.
Die getrocknete Wurzel des Liebstöckels ist reich an ätherischen Ölen, vor allem an Ligustilid, das auch für den typischen Geruch zuständig ist und einen Großteil seiner Wirkung ausmachen. Diese sind harntreibend und keimhemmend was seinen Einsatz bei Blasenentzündungen gerechtfertigt, auch gegen Nierengries hilft der diuretische Effekt des Liebstöckel. Ebenfalls enthalten die Wurzeln Kumarine, die verdauungsfördernd und krampflösend wirken, was bei Beschwerden im Magen- Darmtrakt zur Linderung beiträgt. Daneben wirkt Liebstöckel auch anregend, blutstillend, schleimlösend und schweißtreibend, weswegen er früher auch gegen leichte Bronchitis eingesetzt wurde.
Auch auf die Haut wirkt Ligustilid entzündungshemmend und beruhigend, der geringere Anteil in den Blättern gibt so die Möglichkeit einer recht einfachen Anwendung. Man lässt 20 – 30 große Blätter in einem halben Liter Wasser für ca. 20 Minuten leicht köcheln und nutzt es dann, nachdem es abgekühlt ist für Bäder oder feuchte Auflagen auf den betroffenen Stellen. Die im Liebstöckel enthaltene Furanocumarine sind zwar nicht wasserlöslich, trotzdem sollte man die so behandelte Hautstelle nicht sofort der Sonne aussetzten. Sonst droht, ähnlich wie bei dem Johanniskraut schnell ein Sonnenbrand. Als Fußbad wirkt es durchblutungsfördernd, belebend und erfrischend auf müde Füße, zum Beispiel nach einem langen Arbeitstag oder einer anstrengenden Wanderung. Vielleicht könnt Ihr es ja nach der nächsten Heilkräuterwanderung brauchen.


Es würde mich freuen Euch dann zu treffen!
Eure Charlotte
