Die Weisstanne – Abies alba
Um diese Jahreszeit denkt man bei Tannen erst einmal an unseren Weihnachtsbaum. Gleichzeitig ist es die Erkältungszeit, die uns im Moment zu schaffen macht. Wie passen diese beiden so unterschiedlichen Dinge in einen Artikel über eine Heilpflanze zusammen. Ganz einfach, die Tanne gleich ob es eine Nordmanntanne oder eine Weisstanne ist eignet sich nicht nur sehr gut als Weihnachtsbaum, ihre im Frühjahr geernteten frischen Wipfel können wunderbar zu Erkältungssirup/-honig verarbeitet werden. Dazu werden sie (möglichst in Hüfthöhe und nicht zu viel von einem Baum) abgeschnitten und mit Wasser und Zucker zu einem Sirup verarbeitet oder in Honig eingelegt und ziehen gelassen. Näheres erfahrt Ihr im folgenden Beitrag.
Als Unterscheidungsmerkmal zu Fichten gelten die Zapfen. Bei der Tanne stehen sie auf den Zweigen, bei Fichten hängen sie. Alternativ der Satz: “ Die Fichte sticht, die Tanne nicht!“
Die Geschichte der Tanne
Schon in der Antike wurden die Pflanzenteile der Weisstanne medizinisch genutzt. Die Tanne galt als ein Symbol für Kraft, sowohl die Nadeln, als auch Rinde, Holz, Zapfen (auch die Samen) und natürlich vor allem das Harz waren ein begehrter Rohstoff für die Medizin. Dem Harz wurde eine durchblutungsfördernde Wirkung zugeschrieben und es wurde gegen Rheuma und zur Beschleunigung der Wundheilung eingesetzt. Auch sollte das Kauen des Harzes das Zahnfleisch festigen und so dem Zahnausfall vorbeugen. Im 16. Jahrhundert wurde sogenanntes Tannenbier gegen Skorbut angewandt, da die Tannenspitzen einen hohen Vitamin C Gehalt aufweisen. Auch Sebastian Kneipp empfahl Tee aus Tannenspitzen zur Stärkung der Lunge.
Phytotherapeutischer Einsatz der Weisstanne
Auch wenn die Tannenwipfel im April/Mai „geerntet“ werden, ist ihr Einsatz häufig erst in der Winterzeit gefragt. Natürlich kann man sie auch trocknen und einen Tee damit aufgießen, aber die Verarbeitung zu Tannensirup oder Tannenhonig sind eine viel häufigere Verwendung. So bleibt vor allem das Vitamin C erhalten. Für den Tannensirup kocht man die gesammelten Gramm in der gleichen Menge Wasser (ml) kurz auf und lässt sie dann für drei Stunden bei niedriger Temperatur in der Flüssigkeit mit Deckel ziehen über Nacht. Mindestens für 18 besser 24 Stunden zugedeckt stehen lassen, dann durch ein dünnes Tuch abseihen und mit der gleichen Menge Zucker so lange köcheln lassen, bis sich ein Sirup gebildet hat, diesen kann man dann in ein Glas füllen und kühl und dunkel für die Erkältungszeit aufbewahren. Einfacher ist es die Tannenwipfel gut gewaschen in Honig zu erhitzten (man kann sie auch drin lassen) und davon bei Beschwerden einen Teelöffel einzunehmen.
Wer die Erntezeit verpasst hat kann sich natürlich auch mit ätherischen Ölen behelfen. Diese sollten aber nur äußerlich angewendet werden. Ob zur Inhalation, in einem Trägeröl wie Mandel- oder Jojabaöl zur Massage bei Muskelverspannungen und -schmerzen (am besten in Arnikaöl mit Rosmarinöl) oder als Duftlampe, -spray zur Raumbeduftung. Die Möglichkeiten sind hier groß, das Öl wirkt stärkend auf das Immunsystem, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd und schleimlösend. Das ätherische Öl wird aus allen Bestandteilen des Baumes hergestellt. Die Rinde und das Holz der Weisstanne sind reich an Polyphenolen welche antioxidativ wirken, es konnten sechs verschiedene Phenolsäuren so wie drei Flavonoide extrahiert werden. Aus den Zapfen wird durch Wasserdampfdestillation das sogenannte Templinöl gewonnen welchem durchblutungsfördernde Wirkung zugerechnet wird. Es kommt äußerlich bei Blutergüssen, Muskelzerrungen und Muskelkater zum Einsatz. Wird aber auch in Seifen und anderen Kosmetischen Produkten wie Aftershave eingesetzt.
Ihr seht, der Weihnachtsbaum kann sehr viel mehr als nur hübsch geschmückt in einer Zimmerecke stehen. Wer die Möglichkeit hat, kann auch einfach in einem Tannenwald spazieren gehen. Neben der Bewegung an der frischen Luft, atmet man mit dem besonderen Duft der Bäume die Pheromone ein, welche sich nachweislich positiv auf die Gesundheit und das Immunsystem auswirken. Der Begriff „Waldbaden“ der ursprünglich aus Japan kommt, hat auch bei uns in Deutschland inzwischen Akzeptanz gefunden und wird zunehmend praktiziert.



Also raus an die frische Waldluft und genießt die ruhige Adventszeit, vor allem aber bleibt gesund!
Ich hoffe, wir sehen uns im kommenden Jahr wieder bei einer gemeinsamen Wanderung, in einem meiner Kurse oder in meiner Praxis.
Eure Charlotte
